Stadt und Kirchspiel Wolbeck
Die Chronik

Die Wolbecker Chronik


05.08.2019: Für die nun vorliegenden Trauungen der Jahre 1705 bis 1792 sind wiederum einige Anmerkungen notwendig:
- In den Jahren 1715-1721 wurden die Trauungen nicht erfasst. Das Buch weist an dieser Stelle zwei weiße Seiten auf. Das Jahr 1722 setzt danach erst im Oktober wieder ein.
- Die Jahre 1702 bis 1715 sind durch gravierende Schreibfehler geprägt. Die Abschrift erfolgt dennoch buchstabengetreu, auch wenn dann beispielsweise "Hermmms" geschrieben werden muss, obwohl sehr wahrscheinlich "Hermannus" gemeint war.
- Bei den Brautleuten wird der Geburtsort genannt, wenn er von Wolbeck abweicht und bekannt ist. Dabei fallen viele Zuzügler aus Westbevern, Glandorf und Lüdinghausen auf.
Überhaupt wird häufig die lateinische Form der Städte verwendet wie Monsis=Münster, Telgetiensis=Telgte, Arbesloe=Albersloh, Alskerke=Alverskirchen.
- Man stolpert auch über Kurioses: Im Jahre 1773 tritt derselbe Mann nach zwei Monaten erneut vor den Traualtar. Und in einigen Fällen wird der Name der Braut einfach weggelassen. Im Jahre 1757 ist der Name der Braut unklar. Der Pfarrer notiert: "Anasthasia Wulfers oder Agnes Dickman", so ganz genau weiß er es auch nicht.
- Da das Buch mit durchsichtigem Klebeband repariert und damit die Schrift irreversibel beschädigt wurde, sind leider nicht mehr alle Einträge lesbar. Dies betrifft vor allem den ersten Eintrag auf jeder Seite.
- Die Familiennamen sind im Allgemeinen schwerer zu entziffern als die Vornamen. Der Pfarrer beginnt großzügig mit den Vornamen, dann reicht der Platz in der Zeile nicht mehr aus und der Familienname wird eng im Kreis geschrieben.
Beispiel:




11.05.2019: Für die nun vorliegenden Sterbeeinträge der Jahre 1768 bis 1799 sind einige Anmerkungen notwendig:
- Die Jahre 1800 bis 1802 fehlen.
- Für den Zeitraum vor 1768 existieren keine weiteren Einträge, auch wenn dies kirchlich eigentlich ab 1614 vorgesehen ist. Allerdings hatte das "Rituale Romanum" keinen verpflichtenden Charakter.
- Die Vornamen werden in dieser Zeit stark verkürzt. So gilt: An.=Anna, Mar.=Maria, Joes=Johannes, Gerd.=Gertrud. Kurioserweise wird "Christina" nur sehr selten als "Xtina" abgekürzt.
- Die Nachnamen haben sich deutlich verändert: Vielain, Molckenbühr, Withheger, Hambsen usw.
- Oft fehlt das genaue Todesdatum und es ist nur der Monat angegeben, manchmal fehlt sogar dieser.
- Eine westfälische Besonderheit ist die Angabe "condicta/condictus": Der Familienname haftete in den meisten Fällen nicht an der Person, sondern am Anwesen, daher wurde dem Einheiratenden der Name des Hofes angehängt.
- Das Sterberegister ist vermutlich unvollständig. Hinweise darauf liefern freigelassene Flächen in den Aufzeichnungen aber auch die Tatsache, dass beispielsweise im Jahre 1774 fast ein halbes Jahr lang keine Todesfälle aufgetreten sein sollen.
- Die Qualität der Aufzeichnungen schwankt sehr stark. In einem besonders extremen Fall ist nur das Todesjahr und der Vorname erhalten. Manchmal wird die Todesursache genannt, oft der Geburtsort.
- Das Alter der Toten wird zu dieser Zeit nur geraten. Daher lauten die Altersangaben fast immer auf runde Angaben wie "50" oder "60".
- Die Kirchenbücher enthalten oft auch Hinweise auf übergreifende Ereignisse. So wurde Wolbeck ab Dezember 1775 vermutlich vom Picardschen Schweißfieber heimgesucht, einer historischen Infektionskrankheit, die nach zwei Tagen zum Tod führte. So enthält das Sterbebuch des Jahres 1776 mehr als vierzig Einträge mit der Todesursache "Heftiges Fieber" im ersten Halbjahr.
- Die Unterlagen sind an manchen Stellen kaum noch lesbar: Die Schrift eines vermutlich alten, kranken Mannes auf verblichenem Papier, das zusätzlich beschädigt und verschmutzt ist, lässt sich nicht immer sicher entziffern. Hier ein Beispiel aus dem Jahre 1785:


Im nächsten Schritt folgen die Eheschließungen aus dem 18. Jahrhundert.



22.04.2019: Während die Abschrift der Kirchenbücher noch einige Zeit in Anspruch nehmen wird, kommen heute die Meldungen hinzu, die dem Band "Die Herren v. Deckenbrock und ihre Besitzungen (1209-1570)" entnommen sind, der von Johann T. Holsenbürger im Jahre 1868 bei Friedrich Regensberg, Münster, herausgegeben worden ist. Das Buch basiert auf dem Nachlass des Freiherrn Werner Constantin von Droste zum Hülshoff.
  01.02.1591: Die Holländer plündern Wolbeck, Rinkerode, Albersloh und Angelmodde.
  15.05.1591: Holländer nehmen den Pastor von Handorf gefangen und bringen ihn zum Hofe Hobelinck in der Davert. Stiftssoldaten stürmen am zweiten Tage den Hof, töten acht Holländer und bringen neun Gefangene nach Wolbeck, wo sie am 20.06.1591 mit dem Schwert hingerichtet werden.
  15.04.1594: In Wolbeck werden neun Holländer hingerichtet, die einen Bauern im Kirchspiel Bevern gebrandschatzt hatten.


09.12.2018: Erstmals findet in Wolbeck ein Nikolausmarkt statt. Die Aufnahmen wurden sehr früh am Mittag angefertigt, als erst wenige Besucher eingetroffen waren.


08.12.2018: Die Chronik enthält nun erstmals die Kriegsjahre 1939-1945. Hier ist die Quellenlage schwierig, denn die Tageszeitungen erscheinen zwar täglich, enthalten jedoch quasi keinen Lokalteil mehr. So basieren die vorhandenen Daten beispielsweise auf den Protokollen des Kirchenvorstandes oder den leider teilweise zerstörten Chroniken der Pfarrer Alfers und Isfort. Eingefügt werden muss noch das Kriegstagebuch der amerikanischen 5th Armored Divison, die vor und in Wolbeck in Kämpfe verwickelt wird. Hinzu kommen die Unterlagen der alliierten Besatzungsmächte. Zudem enthält das Amtsarchiv Wolbeck zahlreiche Einzelmeldungen, die immer wieder Schlaglichter auf das Geschehen zur Kriegszeit werfen und hier noch gar nicht eingearbeitet sind.


24.11.2018: Auch in diesem Jahr fand wieder die Wolbecker Lichternacht statt, größer als in all den Jahren zuvor. Die nachfolgenden Fotos geben einen kleinen Eindruck von der Veranstaltung. Um die Atmosphäre unverfälscht einfangen zu können, wurde auf Blitzlicht verzichtet.


Im Sommer 2012 begannen die Arbeiten an der Wolbecker Chronik. Was ursprünglich als begleitender Text zum vorhandenen Bildmaterial gedacht war, entwickelt angesichts der Fülle erhaltener Unterlagen schnell ein umfassendes Eigenleben.


Die Chronik Wolbecks wird ohne Bewertung der Ereignisse geschrieben. Der Autor ist weder Richter noch Ankläger, sondern nur der Geschichtenerzähler für einen Zeitraum, der vom Hochmittelalter bis in die Neuzeit reicht. Insofern werden alle ursprünglichen Texte sprachlich vereinheitlicht und inhaltlich "entwertet". So verwendet eine Übernahme eines Textes aus dem Jahre 1938 dasselbe Vokabular wie ein Bericht aus den Jahren 1818 oder 1998. Der Autor verbleibt im Hintergrund und lässt die Ereignisse für sich selbst sprechen. Auf diese Weise werden auch viele grausame Geschichten für den Leser ertragbar, vor allem wenn er sie selbst miterlebt haben sollte. Vielleicht ist es für den Schreiber an dieser Stelle hilfreich, nicht in Wolbeck geboren zu sein.


Um eine gute Lesbarkeit des Textes zu erreichen, wird auf die Verwendung von Fußnoten oder wissenschaftlichen Ausdrücken verzichtet. Kurze Zitate werden lediglich in den fließenden Text eingeflochten, Anmerkungen des Erzählers am Ende der Meldung jeweils in Klammern angefügt. Anfragen nach Belegen oder der ausführlichen Meldung im Original können auf Wunsch beantwortet werden.


Die Geschichte endet mit den Milleniumsfeiern an Silvester 1999. Ein elegischeres Ende hätte man sich nicht einmal ausdenken können, zudem sollte die Geschichtsschreibung einen ausreichenden Abstand zum aktuellen Tagesgeschehen wahren. Nicht jede erhaltene Meldung wird in die Chronik übernommen, um die Darstellung nicht beliebig ausufern zu lassen. So liegen alleine für das Jahr 1999 insgesamt 568 Zeitungsseiten vor, woraus nur rund 250 Meldungen entnommen wurden. Aber diese Chronik kann und will nicht vollständig sein. Zudem werden sich wiederholende Beschreibungen ausgelassen, weshalb beispielsweise bei den Schützenfesten jeweils nur Änderungen und Abweichungen vom alljährlichen Gang dargestellt werden.


Eine Publikation der gesamten Chronik in Buchform würde bereits am Umfang von weit über zehntausend Druckseiten scheitern. Insofern bietet die Veröffentlichung im Internet eine sinnvolle Alternative, zudem ist der "Vorabdruck" einzelner Passagen möglich, um zu einem späteren Zeitpunkt notwendige Korrekturen und Erweiterungen anbringen zu können.


Die Erstellung der Chronik ist angesichts der früheren Art der Berichterstattung nicht immer leicht zu tragen. So enthält ein Zeitungsartikel über einen Verkehrsunfall das Foto des toten Kindes in den Armen seiner Mutter auf der Straße, umringt von den Nachbarn, und als Bildunterschrift sowohl Namen als auch Anschrift des Opfers. In einem anderen Fall wird ein Mann wegen Tierquälerei zu zehn Jahren Zuchthaus verurteilt, weil er zwei eigene Pferde auf grausame Weise getötet hat, um den anwesenden Kindern die Schwierigkeiten dieser Aufgabe zu zeigen, wobei der Zeitungsartikel das Vorgehen des Mannes ausführlich beschreibt. So gibt es immer wieder Tage, an denen eine Weiterarbeit nicht möglich ist.


Die Wolbecker Chronik umfasst nur Ereignisse, für die zeitnahe schriftliche Belege vorliegen. Historische Rückblicke in Tageszeitungen werden grundsätzlich ignoriert, da sie in vielen Fällen nachweislich fehlerhaft sind. Entsprechend fehlen allgemein überlieferte Begebenheiten wie die nicht bewiesene Verbindung der Meinhövels zur Wolbecker Frühgeschichte. Ebenso weggelassen werden Ereignisse, bei denen kein Beleg existiert wie die willkürlich für das Jahr 1233 angenommene Gründung der Pfarre St. Nikolaus. Auch für den Bau der Pfarrkirche finden sich bisher keine Belege, insofern ist die vorgebliche Bauzeit 1300-1350 nicht haltbar und findet in der Chronik keine Erwähnung. Und die Frühgeschichte des Tiergartens muss mangels belastbarer Unterlagen in dieser Arbeit ebenfalls im Dunkeln bleiben.


Die Arbeit wird betreut von Dipl.-Archivar Thorsten Schmidt, Leiter des Zeitungs- und Pressearchivs der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster.