Stadt und Kirchspiel Wolbeck
Die Chronik

Wolbecker Chronik für das Jahr 1925


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InfoDie vorliegende Chronik des Jahres 1925 beruht auf den erhaltenen Ausgaben der "Münsterschen Zeitung", die allerdings nur für die zweite Jahreshälfte vorliegt.
Do 11.06.1925Die "Große Prozession" an Fronleichnam wird gekürzt und beschränkt sich ab heute auf die Gemarkungen der Stadt Wolbeck.
Do 02.07.1925Der Landwirtschaftliche Lokalverein des Amtes Wolbeck hält beim Gastwirt Granße in Alverskirchen sein diesjähriges Tierschaufest ab. Bei strahlendem Sommerwetter werden vor allem Pferde vorgeführt, während nur wenige Kühe gezeigt werden.
Die Prämierung aus Wolbecker Sicht:
- Stuten (Warmblut): 2. Rohlmann
- 2jährige Fohlen (Warmblut): 2. Tiemann, 4. Ostrop
- 1jährige Fohlen (Warmblut): 2. Schlatmann
- 3jährige Stuten (Kaltblut): 2. Hohenkirch
- 2jährige Fohlen (Kaltblut): 1. Hohenkirch-Reithaus
- 1jährige Fohlen (Kaltblut): 2. Hohenkirch-Reithaus
So 05.07.1925Der Spar- und Darlehnskassenverein hält im Gasthof der Witwe Thier seine Generalversammlung ab. Der Vorsitzende, Gutsbesitzer Josef Hohenkirch, gibt die Jahresrechnung und Bilanz für das Jahr 1924. Demnach betragen Einnahme und Ausgabe insgesamt 144.427,16 Mark. Die Aktiva belaufen sich auf 48.858,35 Mark, der Reingewinn beträgt 1240,49 Mark und wird für Rückstellungen verwendet. Der Vorsitzende des Aufsichtsrates, Pfarrer Alfers, bestätigt die von ihm vorgenommene Prüfung der Bilanz.
Die Mitgliederzahl ist seit Anfang des Jahres um 27 auf 102 gestiegen. Der Geschäftsanteil wird von der Versammlung auf 50 Mark festgesetzt.
So 12.07.1925Der Kriegerverein Wolbeck hält in der Gaststätte Mentrup seine Generalversammlung ab. Nach lebhafter Diskussion beschließt man den Austritt aus dem Kriegerbund, da man die abzuführenden Beiträge für zu hoch hält, obwohl man die Bestrebungen des Kyffhäuserbundes anerkennt.
Do 16.07.1925Der Landwirtschaftliche Verein für den Kreis Münster hält in Telgte seine diesjährige Tierschau ab, die erstmals ein Reitturnier beinhaltet. Abends findet im Hotel Althaus ein Festessen statt.
Die Ergebnisse aus Wolbecker Sicht:
- Stuten mit Fohlen (Kaltblut): 1. Bischoff-Frohnhof mit "Bremerin v. Frohnhof", 3. Bischoff-Frohnhof mit "Caramella v. Frohnhof"
- Vierjährige und ältere Stuten, gedeckt (Kaltblut): 1. Bischoff-Frohnhof mit "Diva v. Frohnhof", 2. Bischoff-Frohnhof mit "Breiste v. Frohnhof"
- 3jährige Stutfohlen (Kaltblut): 2. Josef Hohenkirch mit "Fuchs"
- 2jährige Fohlen (Kaltblut): Bischof-Frohnhof mit "Leoni", 2. Hohenkirch mit "Betty"
- Sonderpreis für beste Gesamtleistung: Ewald Bischoff-Frohnhof
- 2jährige Fohlen (Warmblut): 3. Witwe Ostrop mit "Nobel"
- Bullen über zwei Jahre: 2b. Hohenkirch mit "Neptun"
Fr 17.07.1925Der 24jährige Kassengehilfe Anton Haves erhängt sich im Geräteraum des Amtshauses.
So 19.07.1925In Wolbeck findet die Margarethenkirmes statt. Die Westfälische Landeseisenbahn setzt für die vielen hundert Besucher um Mitternacht einen Sonderzug ein, der über Angelmodde und Gremmendorf nach Münster zurückfährt.
So 19.07.1925An zwei aufeinander folgenden Sonntagen findet in verschiedenen Gasthäusern ein Preiskegeln zur Finanzierung des Kriegerehrenmales statt. Am 26.07. findet zusätzlich ein Preisschießen statt, das vom Ausschuss unter der Leitung der Herren Hengstmann, Grabbe und Overmann organisiert wird. Als Preise sind drei Kälber, Gänse, Federvieh sowie Haushalts- und (nicht näher bezeichnete) Luxusgegenstände ausgesetzt. Der Gesamterlös aller Veranstaltungen beträgt weit über 2000 Mark.
Mo 20.07.1925In Wolbeck findet der Vieh- und Kornmarkt statt.
Sa 25.07.1925Die wegen Krieg und Inflationszeit zum Erliegen gekommene Bautätigkeit ist in der Stadt Wolbeck wieder aufgenommen worden. An der Hiltruper Straße ist der Neubau Dieckmann fertig gestellt worden, das Haus Ringbeck an der Münsterstraße hat einen neuen Anstrich erhalten ebenso wie das Haus Jürgens an der Erbdrostenstraße (sic!). An der Hofstraße wird die Front der Häuser bis unmittelbar an die Straße vorgeschoben.
Sa 25.07.1925In der Werse ertrinkt der Gärtner Adolf Rumphorst aus Bonn, der bei seinen Eltern in Wolbeck den Urlaub zubrachte. Erst am nächsten Morgen gelingt es Oberwachtmeister Böhm und Unterwachtmeister Engel von der 2. Hundertschaft der Schutzpolizei Münster, die Leiche zu bergen.
So 16.08.1925Auf Grund der Aufnahme des regelmäßigen Autobusverkehrs auf der Linie Münster-Wolbeck-Freckenhorst streicht die Westfälische Landeseisenbahn einige Zugpaare zwischen Münster und Wolbeck. (Anmerkung: Für die Buslinie liegen im Moment noch keine Unterlagen vor)
Mo 17.08.1925Am heutigen Montag beginnt das zweitägige Schützenfest der St.-Nikolai-Bruderschaft. Neuer Schützenkönig wird Josef Gallenkämper.
Fr 21.08.1925Angesichts der außergewöhnlich sonnigen und trockenen Witterung ist die Getreideernte bereits abgeschlossen. Der hervorragenden Qualität des Getreides steht ein geringer Ertrag beim Stroh gegenüber. Wiesen und Weiden leiden unter der fortgesetzten Trockenheit, da es seit dem 28. Juli(?) nicht mehr geregnet hat.
So 27.09.1925Der MGV "Eintracht" erringt auf dem Gesangswettstreit in Heeßen unter der Leitung von Herrn Bloech in der 3. Klasse den ersten Klassenpreis, den ersten Ehrenpreis, den ersten Hauptehrenpreis und den Dirigentenpreis.
Fr 09.10.1925Die Westfälische Landeseisenbahn streicht den "Theaterzug", der Freitag- und Sonntagabend jeweils um 23 Uhr aus Münster abgefahren ist.
So 11.10.1925In Wolbeck wird das Kriegerehrenmal eingeweiht, das nach einem Entwurf des Architekten Grabbe in Eigenleistung der Einwohner erstellt wurde. Die drei Ehrentafeln wurden in den kunstgewerblichen Werkstätten der Firma Bach und Wildt in Münster gefertigt. Die vorgesehene Anpflanzung von Tannen wird vermutlich noch kurzfristig zu Gunsten von Buchen oder Linden verworfen.
Ein Auszug aus dem Bericht der Münsterschen Zeitung vom 14.10.1925 im Wortlaut: "Die Enthüllung des Denkmals fand am Sonntag statt. Ein umsichtiges Komitee hatte dafür eine Trauerfeier vorbereitet, an der sämtliche Nachbargemeinden teilnahmen. Selbst die Kriegervereine der einzelnen Gemeinden hatten es sich nicht nehmen lassen, zu erscheinen, obwohl bedauerlicherweise die Nichtzugehörigkeit des Wolbecker Kriegervereins zum Kreisverband diesen veranlasst hatte, seinen Mitgliedern die Teilnahme an dieser allgemeinen Gedächtnisfeier zu untersagen.
Gegen 2.30 Uhr traten die zahlreichen Vereine auf dem Kirchplatz an, wo nach einer Kranzniederlegung in der Gedächtniskapelle der Vorsitzende des Denkmalsausschusses Herr Bischof herzliche Worte der Begrüßung sprach. In der darauf in der Kirche stattfindenden Andacht für die Gefallenen führte der MGV "Eintracht" mit einer ernsten Totenklage ein in die Stimmung, aus der heraus Pfarrer Alfers die Toten sprechen ließ [...]. Ein feierlich ernster Zug bewegte sich dann zum Denkmal, wo unter düsterem, wolkenschweren Himmel eine viele Hundert zählende Menge fast eine ganze Stunde ihren Toten widmete. Die Gemeindevorsteher Haves und Möllenbeck sprachen von der Bedeutung des Zeichens für die Bürger der Stadt und des Kirchspiels.
Herr Rat Rosenberg, Vertreter des Herrn Landrats variierte das "Dulce et decorum est...". Pater Alexander (O.F.M.) ergreifende Festrede deutete den Sinn des Denkmals. [...] Und als er in seinen Gedanken wieder zurückging zu dem todesmutigen Bekennern ihres Credo, da fiel die Hülle, die die Namen der 64 Helden verborgen hatte. [...] Amtmann Böckers übernahm darauf das Denkmal in die Obhut der Gemeinden, und Graf v. Merveldt überreichte dem Erbauer, Herrn Architekten Grabbe, einen Blumenstrauß als Ausdruck des Dankes der Gemeinden.
Ein Chorgedicht, Kranzniederlegungen der auswärtigen Vereine, ein Parademarsch schlossen sich an und dann ein Festzug durch die Stadt, deren bunte Flaggen und Empfangsbögen kündeten, daß auch der Tod seine würdige Feier will. Eine Saalveranstaltung und eine kurze Abendfeier, bei der das Denkmal im Widerschein der aufflammenden Fackeln ein eigenartig stimmungsvolles Bild bot, war der Ausklang dieses für Wolbeck so bedeutungsvollen Tages."
 12.10.1925(?)Oberlandjäger Ratz feiert sein 25jähriges Ortsjubiläum.
So 25.10.1925Ein Unfall auf der Hofstraße fordert zwei Leichtverletzte, als ein Motorradfahrer aus dem Krummen Timpen einbiegt und dabei mit einem Pferdefuhrwerk aus Richtung Alverskirchen zusammenstößt. Das Motorrad schleudert unter das Pferd, das dadurch zu Fall kommt, beide Fahrer werden fortgeschleudert, kommen jedoch mit Hautabschürfungen davon.
So 25.10.1925Im Saal der Witwe Lasthaus findet eine Versammlung statt, die in die Gründung eines Kirchbauvereins mündet. In den Vorstand werden gewählt: Pfarrer Alfers, Amtmann Böckers, Gemeindevorsteher Haves und Möllenbeck, Rendant Potthoff, Josef Hohenkirch und August Kruse.
Der Bewurf der Kirche fällt infolge der Witterungsverhältnisse ab, das neue Kirchenfenster gefertigt von Matschinski aus Münster muss eingesetzt und die nördliche Turmwand mit ihrer schmutzigen Patina instand gesetzt werden. Völlig unklar ist die Lösung der Platzfrage, da nur wenige freie Plätze zur Verfügung stehen.
Di 27.10.1925Ein Händler aus Wolbeck wird wegen unerlaubten Viehhandels vom Amtsgericht zu einer Strafe von 200 Mark verurteilt. Ebenfalls verurteilt wird der Landwirt, der dem Angeklagten ein Rind verkauft hatte, ohne dessen Viehhandelserlaubnis zu prüfen. Er erhält eine Geldstrafe in Höhe von 40 Mark. Das verhandelte Rind wird für eingezogen erklärt.
Di 27.10.1925Die Witwe Schürmann geb. Zumbusch stirbt im Alter von 76 Jahren. Damit ist Wolbecker Linie der Zumbuschs erloschen.
So 15.11.1925Der MGV "Eintracht" veranstaltet im Saale der Witwe Lasthaus einen Konzertabend. Die Sololieder singt Anny Schöne aus Münster.
 22.11.1925(?)In den Räumen des neuen Jugendheimes wird der Handarbeitsunterricht aufgenommen.
So 29.11.1925Bei den Wahlen zu Kreistag und Provinziallandtag bleibt die Zentrumspartei stärkste Kraft. Die Wahlbeteiligung liegt deutlich unter fünfzig Prozent.
Mi 02.12.1925Die Kinderbewahrschule wird mit dreißig Kindern eröffnet und von den Clemensschwestern geleitet.
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