Stadt und Kirchspiel Wolbeck
Die Chronik

Wolbecker Chronik für das Jahr 1892


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InfoDie Chronik des Jahres 1892 basiert fast ausnahmslos auf der Zeitung "Münsterischer Anzeiger", die vollständig erhalten ist und täglich (auch sonntags!) mit mindestens zwei Ausgaben erscheint.
So 17.01.1892In den sechs Gemeinden des Standesamtsbezirks Wolbeck sind im vergangenen Jahre 188 Geburten, 98 Sterbefälle und 49 Eheschließungen registriert worden.
Mi 27.01.1892Am Geburtstag des Kaisers Wilhelm II. wird in der Pfarrkirche St. Nikolaus ein Festhochamt mit Te Deum abgehalten. Anschließend feuert die Artillerie des Kriegervereins Wolbeck einige Böllersalven ab, während an die Kinder der Knabenschule ein Bildnis des Kaisers in Gardeuniform übergeben wird.
Mi 17.02.1892In der Gaststätte J. Böckmann im Kirchspiel Wolbeck findet die Generalversammlung des Landwirtschaftlichen Lokalvereins Wolbeck statt. Direktor Geibel hält einen Vortrag über die Buchführung in der Landwirtschaft, wobei er besonders auf die Novelle des Einkommensteuergesetzes vom 24. Juni 1891 eingeht.
So 21.02.1892In Wolbeck wird in mehreren Gaststätten der erste und eine Woche später der zweite "Fastaobend" gefeiert. Die Veranstaltungen bestehen aus einem Nachmittagskaffee mit anschließender Tanzveranstaltung am Abend. Der Sieggenbucksmaundagsumzug findet in diesem Jahre nachweislich nicht statt.
Mo 07.03.1892Kurz vor Mitternacht brennt beim Bauer Runde in Alverskirchen eine Scheune nieder. Die herbeigerufene Wolbecker Feuerwehr kann nichts mehr ausrichten. Später werden zwei junge Männer wegen Brandstiftung verhaftet.
Sa 12.03.1892In der Nacht auf den 12. März setzt starker Schneefall ein, der bis zum folgenden Mittag zu einem Schneesturm ausartet. Die Verbindungen von Wolbeck nach Everswinkel und Albersloh sind nur mit Vorspann passierbar.
Sa 19.03.1892An der Straße nach Münster wird im Chausseegraben ein totes Schneehuhn gefunden.
Fr 01.04.1892Ein mehrfach vorbestrafter Knecht hatte seinem Dienstherrn im Laufe des Jahres für rund 500 Mark Roggen vom Speicher gestohlen. Ein Schnepfenjäger hatte die Säcke in einem Kieferndickicht gefunden und den Bauern, dessen Name auf den Säcken stand, sowie die Polizei benachrichtigt. Als der Knecht heute bei seinem neuen Dienstherrn im Kirchspiel Wolbeck erscheint, leiht er sich dort einen Wagen, um angeblich seinen Koffer aus Angelmodde zu holen. Der bestohlene Bauer hatte sich jedoch bei den Säcken auf die Lauer gelegt und fasst den Dieb, der nach Wolbeck in Gewahrsam gebracht wird.
So 10.04.1892Gegen 12:30 Uhr bricht in einem Schuppen des Bauern Langkamp gt. Merten im Kirchspiel Wolbeck ein Brand aus. Durch den stürmischen Ostwind breitet sich das Feuer rasch aus, weshalb das vor dreißig Jahren erbaute Wohnhaus, beide Stallungen und das alte Holzhaus innerhalb von drei Stunden vollständig abbrennen. Lediglich das alte Backhaus bleibt von den Flammen verschont. Ein Kalb und ein Hund kommen in den Flammen um, das übrige Vieh sowie das Hausmobiliar können gerettet werden.
Die Feuerwehren aus Wolbeck, Alverskirchen und Albersloh können ihre Tätigkeit nur auf die Rettung des Backhauses beschränken, während die Wehr aus Everswinkel den Brand im nahe gelegenen Kiefernforst des Freiherrn von Ketteler bekämpft.
Die Gebäude sind bei der Provinzial mit 10.380 Mark und das Inventar bei der Thuringia mit 12.329 Mark versichert.
Am 27. April plündern drei Männer die Brandstelle und stehlen rund achtzig Pfund Dachrinnen und Rohre aus Zink. Sie werden jedoch in Werse-Delstrup vom dort stationierten Gendarmen angehalten und verhaftet. (Anmerkung: Bei "Werse-Delstrup" handelt es sich um den Ort, der ab dem 20. Jahrhundert den Namen "Gremmendorf" trägt)
So 01.05.1892Heute tritt der neue Fahrplan für die Busverbindung zwischen Wolbeck und Münster in Kraft, die vom Fuhrunternehmer Hagenschneider betrieben wird.
Mo 09.05.1892In Alverskirchen wird die bereits im vorigen Herbst fertig gestellte Mädchenschule vom Pfarrer und Ortsschulvorsteher feierlich eingeweiht und eröffnet. Die von Wolbeck versetzte Lehrerin wird vereidigt und in ihr Amt eingeführt. Zugleich wechseln 63 Mädchen von der Wolbecker Schule nach Alverskirchen.
Am selben Tage wird in Wolbeck die an der Mädchen-Unterklasse provisorisch angestellte Lehrerin in ihr Amt eingeführt.
Fr 13.05.1892Im Zollhaus zu Albersloh findet die alle zehn Jahre wiederkehrende Vormusterung des Pferdebestandes für das Amt Wolbeck statt. Alle Pferde über vier Jahre werden dem Königlichen Landrat und der militärischen Kommission vorgeführt. Die Zahl der kriegsdiensttauglichen Pferde ist wesentlich höher als in früheren Jahren, was auf die Qualität der Landbeschäler des Gestüts Warendorf zurückgeführt wird.
Di 07.06.1892Ein Jäger aus Münster findet im Kirchspiel Wolbeck die stark verweste Leiche eines männlichen, neugeborenen Kindes.
Mo 13.06.1892Nach dreijähriger Pause feiert der Kriegerverein Wolbeck ein Fest der Erinnerung an die letzten Feldzüge der preußischen und deutschen Armeen.
Do 16.06.1892Am frühen Morgen kommt Frost auf, später ist alles von Reif bedeckt.
Do 23.06.1892Bei einem schweren Gewitter wird gegen 17 Uhr eine Frau im Kirchspiel Wolbeck an der Grenze zu West II vom Blitz getroffen und bleibt bewusstlos eine halbe Stunde liegen.
Mo 04.07.1892An der Gaststätte Kinnebrock vormals Pletzer in Angelmodde findet die Tierschau des Landwirtschaftlichen Lokalvereins Wolbeck verbunden mit Konzert und Ball statt. Dabei sind die folgenden Prämien ausgesetzt: Für Stuten 68 Mark; für ein-, zwei- und dreijährige Fohlen je 20 Mark; für Kühe 57 Mark; für Rinder 29 Mark; für Stiere 45 Mark; für Säue 28 Mark und für Eber 21 Mark.
Fr 15.07.1892Seit einigen Tagen sind Offiziere mit trigonometrischen Vermessungsarbeiten beschäftigt. Sie haben sich im Uhrtürmchen der Pfarrkirche eingerichtet und außen etliche Schirme als Sonnenschutz angebracht.
So 17.07.1892Die Margarethenkirmes verzeichnet starken Besuch, jedoch ist den Händlern nur bis 20 Uhr der Verkauf gestattet.
Di 19.07.1892Der Viehmarkt ist stark mit Schweinen und einigen Kühen und Rindern beschickt, Pferde werden gar nicht aufgetrieben.
Sa 20.08.1892Gegen 23 Uhr bricht ein schweres Gewitter, begleitet von orkanartigen Winden, los. Das Dach der Kirche sowie die Dächer einiger Häuser werden erheblich beschädigt. An Dr. Lackmanns Ziegelei im Kirchspiel stürzen drei Ziegelhütten um. Die auf den Feldern stehenden Getreidehaufen und Garben werden in angrenzende Wälder fortgeweht, die Obstbäume verlieren die wenigen vorhandenen Früchte. Bei unklarer Nachrichtenlage ist von mehreren Bränden in der nahen Umgebung die Rede. (Anmerkung: In Rinkerode brennen in dieser Nacht die Bockwindmühle Bruland und der Hof Schemmelmann ab.)
So 04.09.1892Angesichts der Cholera-Epidemie in Hamburg dürfen Fremde aus dieser Gegend in der Stadt Wolbeck nicht mehr beherbergt werden.
Mo 19.09.1892Nachdem die lang anhaltende Dürre den Ernteaussichten bereits geschadet hat, sorgt das epidemische Auftreten der Raupe des Kohlweißlings für zusätzliche Schäden.
So 25.09.1892In der Pfarrkirche St. Nikolaus erklingt heute erstmals die neue Orgel. Das Instrument stammt aus der Werkstatt des Orgelbauers Fleiter zu Münster und umfasst 22 Register.
Mi 09.11.1892Die Treibjagd im Gräflich von Merveldtschen Revier Albersloh-Wolbeck-Angelmodde erbringt 57 Hasen und einen Rehbock.
Fr 18.11.1892Die Ergänzungswahlen für die Gemeindevertretungen ergeben das folgende Resultat:
Wigbold Wolbeck: In der Abteilung II wird der Apotheker Eduard Cortain wiedergewählt; in der Abteilung III wird der Bauer Heinrich Dikrup neu gewählt
Kirchspiel Wolbeck: In der Abteilung I werden die bisherigen Mitglieder Bauer J. Maten und Zimmermeister Joh. C. Breul wiedergewählt.
Do 01.12.1892Auf der Chaussee von Wolbeck nach Münster wird am Vormittag in Höhe der Gaststätte Kinnebrock der Knecht Schmitz aus Delstrup von seinem eigenen Fuhrwerk überfahren. Da ein Rad über den Hals geht, tritt der Tod sofort ein. Der Tote wird später von seinem Vater abgeholt.
Mo 12.12.1892Auf Anordnung der bischöflichen Behörde wird in der Wolbecker Pfarrkirche das Fest des ewigen Gebetes gefeiert.
Fr 16.12.1892Angesichts der günstigen Herbstwitterung gehen die Arbeiten an der Kuranstalt Lackmann rasch voran. Der "Münsterische Anzeiger" schreibt: "Ein dreistöckiges ca. 24 Meter langes und 13 Meter breites Gebäude mit geräumigem Kellergeschoß ist seit 14 Tagen im Rohbau fertiggestellt, mit Blitzableiter versehen und Platzziegeln eingedeckt. Behufs Vollendung der inneren Arbeiten, auch bei Frostwetter, wird in einigen Tagen die Central-Wasserheizung vollendet werden, welche zur Erwärmung von 40 Räumen bestimmt ist. Durch den Ankauf einer größeren Wiesenparzelle ist es dem Unternehmer möglich gewesen, aus dieser und den vorhandenen Garten- und Wiesengrundstücken in kurzer Zeit, aber nicht ohne erheblichen Kostenaufwand, einen an Abwechslungen reichen Park zu schaffen. Mehrere Alleen und Wege ziehen sich durch die Anlagen. Rasen- und Wiesen-Flächen und 4 reizende Brücken vermitteln die Uebergänge über einige Gräben und die Zugänge zum Thiergarten. Ein mit der Angel in Verbindung gesetzter großer Fischteich, der unter mühsamer Arbeit seiner Vollendung entgegengeht, wird durch seine demnächstigen Bewohner den Besuchern der Anstalt Unterhaltung verschaffen. Die Angel ist auf eine weite Strecke um das Doppelte erbreitert und bespült die vorgeschriebene Terasse (Rondel) des Kurhauses."
Fr 30.12.1892Die Oberpostdirektion Münster hat angewiesen, amtliche Depeschen auch außerhalb der Dienststunden von Wolbeck nach Münster zu befördern, wenn nachts bei Bränden, Überschwemmungen oder schweren Unfällen Hilfe aus der Stadt Münster benötigt wird.
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