Stadt und Kirchspiel Wolbeck
Die Chronik

Wolbecker Chronik für das Jahr 1903


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Mo 02.02.1903Die Jünglings-Sodalität feiert ihr 50jähriges Bestehen. Zuvor hatte ein Kapuzinerpater an drei aufeinander folgenden Tagen Exerzitienvorträge gehalten.
Im Rahmen der Feierlichkeiten wird die neue Sodalitätsfahne geweiht. Sie zeigt auf der Vorderseite das göttliche Herz Jesu auf grünem Samt mit der Überschrift "Heiligstes Herz Jesu, erbarme dich unser". Die Rückseite aus grüner Seide trägt den Namenszug der Muttergottes, der von einer Krone überragt wird, und die Worte "Marianische Jünglings-Sodalität Wolbeck, 1853 - 1903".
Am Abend findet eine weltliche Feier statt, auf der das Gründungsmitglied Heinrich Geistkemper besonders geehrt wird.
Mo 23.02.1903Der Provinzialrat genehmigt den Antrag der Stadt Wolbeck, den Kram- und Viehmarkt, der bisher am ersten Dienstag nach dem 13. Juli stattfand, um einen Tag vorzuverlegen.
Mi 25.03.1903An der Generalversammlung des Ziegenzuchtvereins für Wolbeck, Alverskirchen und Angelmodde um 17 Uhr im Gasthof Josef Lasthaus nehmen 85 Mitglieder teil. Der Vorsitzende des Vereins, Amtmann Middeler, verliest den Rechenschaftsbericht und legt danach wegen dienstlicher Überlastung den Vorsitz nieder. Die Versammlung wählt die Herren Forsthove, Leiendecker, Jansen, Mentrup, Runtenberg und Burgas in den Vorstand. Der Verein umfasst momentan 124 Mitglieder. Im Vorjahr wurden 286 Ziegen gedeckt.
Anschließend berichtet der Vorsitzende des Kreisvereins über Ziegenversicherung und Körordnung.
Di 14.04.1903Die katholische Kirche weist in einer Presseerklärung darauf hin, dass das Verbot von Osterfeuern auf Grund des Erlasses vom 6. Februar 1722 von Clemens August, Bischof von Münster und Paderborn, weiterhin Gültigkeit besitzt.
Sa 13.06.1903Die Versammlung des Amtes Wolbeck beschließt, das 25jährige Dienstjubiläum des Schulzen Heinrich Wettendorf zu feiern.
Di 16.06.1903Die Reichstagswahl ergibt für Wolbeck das folgende Ergebnis: Zentrum 93,9 %, Sozialisten 3,2 %, Nationale 1,4 %, Sonstige 1,4 %. Die Wahlbeteiligung beträgt 83,2 %.
Sa 27.06.1903Die Westfälische Landeseisenbahn nimmt die neue Bahnlinie von Münster nach Neubeckum in Betrieb. Kurz nach 16 Uhr passiert der erste Güterzug begleitet von lauten Böllerschüssen den Bahnhof Wolbeck. Erst vor wenigen Tagen waren die letzten Schienen im Bahnhofsbereich gelegt worden. Eine große Menschenmenge bejubelt den Zug, der probeweise rangiert. Am Abend findet für die Bahnarbeiter eine kleine Feier in der Gastwirtschaft Mentrup statt. (Anmerkung: Die Gaststätte Mentrup ist nach eigenen Angaben erst im September 1905 von Heinrich Mentrup eröffnet worden)
Di 07.07.1903Im Hotel der Witwe Thier wird das 25jährige Dienstjubiläum des Schulzen Heinrich Wettendorf gefeiert. Aus der Hand von Amtmann Middeler erhält er ein Barometer sowie ein persönliches Geschenk. Angesichts des schlechten Wetters fällt das vorgesehene Gartenfest aus.
Auf dem gemeinsamen Festmahl ab 19 Uhr sprechen Freiherr von Kerckerinck-Borg, Pfarrer Depenbrock aus Alverskirchen, Gemeindevorsteher Möllenbeck aus Wolbeck, Kreissekretär Rosenberg, Vikar Tellegei und Rittergutspächter Schenking. Das Fest geht erst in den frühen Morgenstunden zu ende.
So 19.07.1903Das diesjährige Margarethenfest ist stark besucht.
Mo 20.07.1903In Wolbeck wird der Viehmarkt abgehalten. Nach langer Zeit findet er wieder an einem Montag statt, weshalb der Handel recht lebhaft ist. Der Provinzialausschuss beschließt daher, diesen Wochentag in Zukunft beizubehalten.
Mo 20.07.1903Am Nachmittag feiert der Wolbecker Kriegerverein beim Kameraden Josef Lasthaus sein Kriegerfest. Um 14 Uhr versammelt man sich an der Kirche zur Abholung der Vereinsfahne und zieht mit klingendem Spiel zum Tiergarten, wo die Wolbecker Kapelle unter der Leitung von Herrn Schmedding ein Konzert gibt. Um 17 Uhr findet am Kurhaus die Parade statt, die vom Vorsitzenden des Kriegervereins, Oberleutnant a.D. Schürmann, abgenommen wird. Der nachfolgende Festball beginnt mit einer langen Polonaise durch die Stadt Wolbeck.
Mo 21.09.1903Nachdem die Lehrerin Klas nach Osterfeld versetzt worden ist, wird die Lehrerin Franziska Dierkes aus Epe ihren Dienst am 15. Oktober an der Volksschule Wolbeck antreten.
So 04.10.1903Auf der Strecke Münster-Neubeckum der Westfälischen Landeseisenbahn wird der Personenverkehr aufgenommen. Die Fahrkarten von Münster nach Wolbeck kosten in der zweiten Klasse 0,50 Mark und in der dritten Klasse 0,35 Mark. Die Rückfahrkarten kosten 0,80 resp. 0,50 Mark. Sonntagskarten zwischen Münster und Angelmodde bzw. Wolbeck werden zum Preis einer einfachen Fahrt ausgegeben.
Die Strecke umfasst die folgenden Bahnhöfe: Münster, Angelmodde, Wolbeck, Albersloh, Alst, Sendenhorst, Tönnishäuschen, Enniger, Neubeckum. Die Fahrzeit von Münster nach Wolbeck beträgt fünfzehn Minuten.
Die Abfahrtszeiten an Werktagen für den Bahnhof Wolbeck lauten: 06:55 nach Neubeckum, 07:46 nach Münster, 10:35 nach Neubeckum, 12:24 nach Münster, 13:27 nach Neubeckum, 15:14 nach Münster, 15:55 nach Neubeckum, 17:52 nach Münster, 19:27 nach Neubeckum, 21:16 nach Münster. (Anmerkung: Der damalige Fahrplan der Strecke Münster-Neubeckum liegt vollständig vor)
Über den Eröffnungstag schreibt der Münsterische Anzeiger: "Der letzte Sonntag hatte eine große Schar Ausflügler zum Bahnhof der Westf. Landeseisenbahn gelockt, die mit der neuen Bahn eine Tour nach Angelmodde und Wolbeck machen wollten. Die Nachmittagszüge waren bis auf den letzten Platz besetzt. Naturgemäß entstanden dadurch nicht geringe Verspätungen. Der schöne Ausflugsort Angelmodde war bei dem miserablen Wetter nicht wiederzuerkennen, der Schmutz ging stellenweise bis über die Fußknöchel. Es wäre sehr an der Zeit, wenn man dort für einen geebneten trockenen Weg vom Bahnhof zum Dorf sorgen wollte, will man die Gäste von Auswärts nicht von vornherein abschrecken. Der um 6,47 Uhr als Sonntagszug von Angelmodde nach Münster fällige Zug erschien überhaupt nicht auf der Bildfläche. Das zahlreiche Publikum mußte bis zum nächsten Zuge 7,39 warten, welcher denn auch mit erheblicher Verspätung glücklich, mit brausendem Hoch begrüßt, anlangte. Auch fiel es auf, daß die Lampen in den meisten Waggons nicht angezündet waren. Das Publikum nahm die Unbequemlichkeiten von der humoristischen Seite auf in der Hoffnung, daß die neue Bahn die 'Kinderkrankheiten' bald überwunden haben werde."
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